Die Deutsche Burschenschaft – Völkisch, nationalistisch, rechtsradikal

Wappen der Deutschen Burschenschaft
Bei dem Auftritt der BurschInnenschaft Disturbia zu Würzburg beim BR3-Jugendmagazin “Südwild” habe ich die Deutsche Burschenschaft (DB) als “völkisch, rechtsradikal und nationalistisch” bezeichnet. Leider blieb in der Sendung keine Zeit, dies näher auszuführen. Dies möchte ich hier nachtragen.
Zunächst möchte ich bemerken, dass die Formulierung etwas unglücklich war. Tatsächlich trifft es “völkisch, geschichtsrevisionistisch und nationalistisch” deutlich besser – eine derartige Gruppierung rechtsradikal zu nennen ist da nur die Folgerung. Ich könnte Studentenverbindungen und insbesondere Burschenschaften leicht für weit mehr als diese drei Schlagworte kritisieren, werde darauf hier aber nicht eingehen und verweise hierfür auf den Blog Politeia, welcher u.a. Mensur, elitäres Gehabe und die zweifelhafte “Erziehung” in Verbindungen thematisiert.
Die geschichtsrevisionistische Einstellungen der DB lassen sich z.B. an der Webseite der DB ablesen, wo die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland in Frage gestellt werden:
“Die Deutsche Burschenschaft sieht das deutsche Vaterland unabhängig von staatlichen Grenzen [...]“
Wie im Handbuch der Deutschen Burschenschaft weiter ausgeführt wird, habe “eine Gebietsabtretung im Osten nie stattgefunden”, nur logisch daher, dass die Wiener Burschenschaft Olympia 1990 bei der Wiedervereinigung forderte, “Österreich und die deutschen Ostgebiete” mit einzubeziehen. Dass bei Vortragsabenden mit Titeln wie “1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte” die deutsche Kriegsschuld in Frage gestellt oder zumindest relativiert wird, passt dabei ins Bild.
Der nationalistische Charakter der Deutschen Burschenschaft zeigt sich am eindrücklichsten in ihrer Haltung zu Europa. So kann sich in den “Burschenschaftlichen Blättern” (BB), der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift der DB, der für seine rechtspopulistischen Aussagen berüchtigte ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche über die “Europadiktatur” auslassen (BB 3/2008), dem neurechten Vordenker und Publizisten Alain de Benoist wird neben einem mehrseitigen Artikel auch noch ein mehrseitiges Interview eingeräumt (BB 1/2009), während andere burschenschaftliche Autoren eine “postdemokratische Gesellschaft” konstatieren und die Forderung nach einem “Europa der freien Völker” formulieren können (jeweils BB 3/2008), in welchem die Unterschiede zwischen den Völkern als wertvollstes europäisches Vermächtnis zu schützen und zu erhalten seien. Dieses Leitbild wird auch von der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG), der selbst innerhalb der DB und DBÖ (der Deutschen Burschenschaft in Österreich) am rechten Rand stehenden Gruppierung unter derzeitiger Führung der Wiener Burschenschaft Olympia, als Forderung eines “Europas der Nationen” gepflegt. Diese zumeist als “Ethnopluralismus” bezeichnete Ideologie hat, mit dem Ziel der Erhaltung kultureller Unterschiede, eine Homogenisierung von Volksgemeinschaften zum Ziel, in der Praxis also nichts anderes als der Ausschluss all jener, die nicht in die Volksgemeinschaft passen. Sie hat innerhalb der europäischen extremen Rechten starken Einfluss und wird von zahlreichen Parteien vom rechten Rand des politischen Spektrums wie NPD, Republikaner, DVU oder FPÖ geteilt – redok hält hierzu Hintergründe bereit.
Die Deutsche Burschenschaft hat dabei eine klare Vorstellung davon, wer zur Volksgemeinschaft gehört und wer nicht. Im “Handbuch der Deutschen Burschenschaft” heißt es im Addendum zum Abschnitt 8, “Vaterland” im Unterpunkt “Volk”:
“Unter einem Volk verstehen wir eine menschliche Gemeinschaft, die durch gleiche Abstammung, gleiches geschichtliches Schicksal, gleiche Kultur und verwandtes Brauchtum [...] geprägt ist.
“Ein Deutscher ist, wer auf Grund von Abstammung, Sprache und Kultur zum deutschen Volk gehört und sich zu ihm bekennt.”
Aus dem Handbuch der Deutschen Burschenschaft von 1984, Abschnitt 8.3
Die Hervorhebungen sind von mir hinzugefügt. Die Forderung der “gleichen Abstammung” ist dabei besonders schockierend, handelt es sich doch um unverhohlenen, festgeschriebenen Rassismus. Mit der Forderung nach “gleichem Brauchtum” und dem Bekenntnis zum deutschen Volke geht die DB noch einen Schritt weiter, ist es doch damit sogar möglich, durch “undeutsches Brauchtum” oder der Ablehnung des Volkstumsbegriff nach Lesart der DB aus dem Volk ausgeschlossen zu werden.
Dies mag alleine noch nicht weiter schlimm sein, wen sollte es schon interessieren ob er zu einem Volk gehört, dessen Existenz er als bloßes Gedankenkonstrukt ansieht und somit ohnehin ablehnt? Die rassistischen und antipluralistischen Aussagen von oben gewinnen jedoch an Bedeutung, nimmt man das Verständnis der DB der Begriffe “Staat” und “Nation” hinzu:
“Vielmehr beinhaltet dieser Begriff [der der Nation, Anm. d. Verf.] den Willen eines Volkes, sowohl einen einheitlichen Staat zu schaffen und in ihm zu leben als auch die gleiche Kultur und verwandtes Brauchtum [...] zu pflegen. Die Nation ist daher das bewußt handelnde [...] Volk.“
Aus dem Handbuch der Deutschen Burschenschaft von 1984, Abschnitt 8.3
Wenn die Nation das bewusst handelnde, staatenbildende Volk ist, und zum Volk nur gehört, wer “echt deutsch” nach obiger Definition ist, so muss die DB die Einmischung eines jeden “Undeutschen” in ihren Staat als Einmischung eines fremden Volkes ablehnen. Wer dies zu Ende denkt, muss beispielsweise all jenen, die den “Ariernachweis” über eine “echt deutsche” Abstammung nicht erbringen können oder die durch “undeutsche Umtriebe” auffallen, das Wahlrecht, die Anstellung im Staatsdienst oder das Recht auf Meinungsfreiheit und dem damit möglicherwiese einhergehenden Engagement in der Politik absprechen. Wie weit die DB hier gehen würde ist unklar, aber Sätze wie der folgende lassen nichts Gutes vermuten:
“Jeder Versuch der Abwertung des Nationalbewußtseins ist deshalb als unmittelbarer Angriff auf das deutsche Volk anzusehen.”
Aus dem Handbuch der Deutschen Burschenschaft von 1984, Abschnitt 8.3
Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was in der verqueren Logik der DB mit Volksverrätern geschieht… Nur logisch ist jedoch, dass in den “Burschenschaftlichen Blättern” die multikulturelle Gesellschaft als der “Spaltpilz jeder politischen Gemeinschaft” verteufelt und die angeblich herrschende “Inländerfeindlichkeit” beklagt wird (beide Zitate stammen aus den Burschenschaftlichen Blättern Ausg. 2/2008). Die sich unter Studierenden ausweitende Zustimmung zu einer “Begrenzung der Zuwanderung von Ausländern” oder der “Abwehr kultureller Überfremdung” wird dagegen als löbliche Entwicklung bei den “labilen und teilnahmslosen Studenten der Mitte” (BB 1/2009) erleichtert festgestellt. Auch hier zeigt sich: die DB pflegt offene Fremdenfeindlichkeit statt Pluralismus und Toleranz.
Wie könnte das Fazit eines solchen Artikels lauten? Wie oben an Beispielen aus DB-Publikationen illustriert ist die Deutsche Burschenschaft beileibe keine “Gemeinschaft von ganz normalen Studenten”, wie sich ihre Mitgliedsbünde gerne darstellen. Sind deswegen alle Burschenschafter Nazis? So einfach ist es auch wieder nicht. Ich bin sicher, dass es derlei Personen in so ziemlich jeder Burschenschaft der DB gibt. Ein guter Teil der Mitglieder ist aber – so hoffe ich! – einfach zu schlecht informiert über die Ziele des eigenen Verbandes, zu leicht beeinflussbar durch die Relativierungen der älteren Mitglieder und vielleicht auch zu faul oder zu beschränkt, den in burschenschaftlichen Publikationen und Manifesten festgeschriebenen Rassismus und die inhärente Fremdenfeindlichkeit ihrer Organisation zu erfassen.
Ich sehe es als meine Pflicht als Bürger einer pluralistischen und offenen Gesellschaft, die hier aufgezeigten gravierenden Missstände klar zu benennen und fordere alle studentischen Verbindungen, welche sich mit Bünden der Deutschen Burschenschaften in Gremien wie dem “Waffenring” oder dem “Intercorporativen Convent” die Sitze teilen, dazu auf, energisch Rechenschaft über Rassismus, Nationalismus und Geschichtsrevisionismus in der Deutschen Burschenschaft einzufordern. Tun sie das nicht, werden sie sich die Vorwürfe rechtsradikaler Tendenzen in den eigenen Reihen auch weiterhin gefallen lassen müssen.


[...] könnt Ihr im unten stehenden Video ansehen. Abgerundet wird das Ganze durch einen ergänzenden Beitrag von Andi zum Wesen der [...]
PoWiss » Blog Archive » Burschenschafter sollen die Hose anbehalten - Gedanken zu Politik + Wissenschaft & mehr schrieb dies am 14. Juli 2009 um 17:09 |
[...] damit doch eine offenbar besonders radikale Gruppe von gemäßigten Einflüssen abgekoppelt, um die völkischen, geschichtsrevisionistischen und nationalistischen Ideologien der Deutschen Burschenscha… ohne Hemmnisse verbreiten und entwickeln zu können. Kann denn so viel Rückwärtsgewandtheit, in [...]
Schon einmal darüber nachgedacht in Würzburg 2 von 4 Burschenschaften gar nicht inder DB sind??? Eine viel zu undifferenzierte Betrachtung der Burschenschaften, vorallem in Würzburg.
Wie passen im übrigen Karl Marx(Corps Palatia Bonn), Wilhelm Liebknecht(Corps Rhenania Gießen u. Corps Hasso Nassovia Marburg) oder Ayyub Axel Köhler (Corps Alemania Kiel) in dieses Bild???
Im Würzburger Waffenring wird desweiteren keine Politik gemacht sondern lediglich sich um das gemeinsame Interesse, der Pflege der Waffenstudentischen Tradition bemüht.
Sicherlich gibt es Burschenschaften innerhalb der DB und NeuenDB die in das Schema der “ewiggestrigen” Fallen, aber die werden selbst von vielen Burschenscahftlern sehr kritisch beäugt.
Absolut pauschalisierende und überzogene Kritik!!!