Mehr Privatsphäre in Facebook mit Mozilla Prism

•31. Januar 2011 • Hinterlasse einen Kommentar
Mozilla Prism

Logo von Mozilla Prism

Viele sind wegen des ungezügelten Datenhungers von Facebook & Co besorgt um ihre Privatsphäre, und das sicherlich nicht zu Unrecht. Aber auch die striktesten Einstellungen in Facebook selbst können nicht alle Gefahren bannen, insbesondere wenn Cookies und der Browserverlauf ins Spiel kommen. Diese sind zum Nachvollzug des Surfverhaltens eines Benutzers oder einer Benutzerin äußerst hilfreich, wie diese kleine Seite amüsant demonstriert. Der Private Modus, den ja mittlerweile alle nennenswerten Browser unterstützen, bietet hier schon eine gute Möglichkeit, die Privatsphäre zu schützen. Wer aber – wie ich – eigentlich permanent einen Facebook-Tab im Browser geöffnet hält, müsste folglich permanent im Privaten Modus unterwegs sein. Diese erheblich Einschränkung des Surfverhaltens wird jedoch kaum jemand auf sich nehmen wollen.

Aber Hilfe naht aus Richtung Mozilla. Das kleine Programm Prism aus besagter Softwareschmiede ist im Grunde die Rendering-Engine des Mozilla Firefox – und kaum mehr, der „kleinstmögliche Browser“ sozusagen. Es ist darauf ausgelegt, Webseiten im Stile einer normalen Anwendung nutzbar zu machen, in einem eigenen Fenster und unabhängig vom Browser. Das hat einerseits zur Folge, dass die Webseiten unter Prism wahnsinnig schnell angezeigt werden und auf Nutzerinteraktion reagieren. Andererseits bedeutet es aber auch, dass Prism-Fenster (oder „Webapps“) mit unabhängigen Firefox-Profilen laufen, insbesondere also nicht Browserverlauf und Cookies übernimmt, die anschließend von Facebook ausgelesen bzw. geschrieben werden könnten.

Für Ubuntu-Nutzer ist die Installation denkbar einfach. Per

sudo apt-get install prism-facebook

wird Prism und die zugehörige Facebook-“Webapp“ (im Grunde ist das nur eine Verknüpfung, die Prism mit der entsprechenden Webseite aufruft) installiert und eingerichtet. Aus dem Startmenü lässt sich diese dann starten.

Auch für Windows- und MacOS-Nutzer gibt es eine Version von Prism, die sich hier herunterladen lässt. Die dort ebenfalls zu findende Firefox-Erweiterung ist nicht unbedingt benötigt, ermöglicht aber das Erstellen von Prism-Webapps über Firefox.

prism_fenster

Das Programmfenster von Prism unter Windows

Wer nun Facebook als Prism-Webapp anlegen möchte, startet Prism über die Startmenü-Verknüpfung (Linux) oder per Klick auf die ausführbare Datei (z.B. prism.exe in Windows) aus dem Ordner, in den Prism entpackt wurde, um zum nebenstehenden Fenster zu gelangen. Hier am besten „http://www.facebook.com/home.php“ als URL angeben (dann kommt man, sofern man das Passwort speichern lässt, direkt zur Facebook-Hauptseite, nicht erst zur Anmeldung) und eine Verknüpfung, bspw. im Startmenü, anlegen lassen.

Prinzipiell lässt sich so aus jeder Webseite eine „Webapp“ machen, insbesondere existieren zu einigen wie Twitter oder Google Calendar (auch so eine Datenkrake) bereits vorgefertigte in den Ubuntu-Paketquellen. Wer eine Webapp wieder loswerden will, sollte sich einmal unter ~/.webapps bzw. C:\Users\[Benutzername]\AppData\Local\Prism umsehen. Löschen der Verknüpfung nicht vergessen!

Viel Spaß mit dem neuen ständigen Begleiter in der Taskleiste ;)

Compiz nutzen unter Kubuntu 10.10

•17. Oktober 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Lange habe ich die eher schwache Performance des KDE-Desktops toleriert. KDE ist schließlich – nach wie vor – in ständiger Entwicklung, da ist eine suboptimale Geschwindigkeit eher das kleinere Problem. Weil aber auch langsam reagierende Fenster mit der Zeit zu einem echten Ärgernis werden können, habe ich mich vor Kurzem daran versucht, Compiz in KDE zu benutzen.

Dabei habe ich gleich zwei dicke Überraschungen erlebt

  1. war die Installation unwahrscheinlich einfach. Sollte das stundenlange Herumfummeln an Konfigurationsdateien wirklich der Vergangenheit angehören?
  2. war der Performancegewinn ganz erheblich, wesentlich mehr als ich es erwartet hätte.

Compiz in Kubuntu installieren

Fenstermanager einrichten

Hier als Fenstermanager das alternative Compiz auswählen

Die Installation ist äußerst simpel. Es werden nur die Pakete compiz und emerald benötigt. Ob es auch ohne den Fensterdekorateur Emerald ginge, weiß ich nicht. Bei mir jedenfalls fehlten ohne ihn die Fensterdekorationen, und da ich Emerald ohnehin schon immer sehr schick fand, habe ich es anders nicht großartig versucht, also:

sudo apt-get install compiz emerald compizconfig-settings-manager

Als nächstes muss KDE gesagt werden, dass das alte KWin durch Compiz als Fenstermanager ersetzt werden soll. Dies geschieht in den Systemeinstellungen unter „Standardkomponenten“ und dann unter „Fenstermanager“. Hier muss unter „Einen anderen Fenstermanager auswählen“ Compiz auswählen und die Einstellungen übernehmen.

Darstellungsprobleme beheben

ccsm - Fensterdekoration

Hier unter "Kommando" den Befehl für Emerald eingeben: /usr/bin/emerald

Bei meinem ersten Versuch wurden nun die Fensterdekorationen nicht angezeigt, da offenbar der KWin-Fensterdekorateur nicht korrekt mit Compiz zusammenarbeiten wollte. Deshalb muss in Compiz der alternative Fensterdekorateur Emerald eingestellt werden. Am einfachsten geht das mit dem Konfigurationsprogramm compizconfig-settings-manager, welches per ccsm z.B. in KRunner oder der Konsole gestartet wird.

Im erscheinenden Fenster kann nun unter „Fensterdekoration“ in der Zeile „Kommando“ der Befehl für Emerald eingegeben werden: /usr/bin/emerald.

Spätestens nach einem Neustart des X-Servers (z.B. durch Abmelden und Wiederanmelden) sollte nun der Desktop mit Compiz und neuen Fensterdekorationen angezeigt werden. Wer das Standard-KWin-Aussehen auch weiterhin genießen möchte, sollte sich einmal bei Gnome-look.org umsehen, dort finden sich auch solche Themes für Emerald.

Stiefeltritte gegen den Kopf sind gefährliche Körperverletzung. Auch für Polizisten.

•3. Mai 2010 • 3 Kommentare

Die Bilder vom Polizisten, der bei den diesjährigen Krawallen vom 1. Mai einen am Boden liegenden Demonstranten ins Gesicht tritt, haben mich heute ziemlich schockiert. Das Erfreulichste an diesem Vorgang ist noch, dass der betreffende Polizist sich gestellt hat, uns ein für einen Rechtsstaat unwürdiger Vorgang wie die Twitter-Fahndung nach der „Freiheit statt Angst“-Demo also erspart bleibt, in der die Betroffenen den Täter selbst suchen mussten, nachdem die Polizei offenbar kein Interesse daran hatte.

Der Täter wird also seine gerechte Strafe erhalten, richtig? Richtig…? Schauen wir mal.

Wie Spiegel Online meldet, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf „Körperverletzung im Amt“ (§340 StGB) – und das klingt für jemanden, der sich mit der Materie noch nie beschäftigt hat, folgerichtig. Die Sache ist aber nicht so einfach. Der Polizist trug, wie auf dem Video zu sehen, bei seiner Tat schwere Stiefel – und die sind, wie unter anderem hier nachzulesen, ein „gefährliches Werkzeug“ im Sinne von § 224 I Nr.2 StGB. Damit ist die Tat als gefährliche Körperverletzung im Amt zu werten.

Ein juristisches Detail? Mitnichten! Während „Körperverletzung im Amt“ in minderschweren Fällen (und ich zweifle keine Sekunde, dass in diesem Fall ein solcher erkannt wird, was natürlich rein gar nichts mit dem Beruf des mutmaßlichen Täters zu tun hat) noch mit einer Geldstrafe geahndet werden kann, steht auf gefährliche Körperverletzung auch im minderschweren Fall eine Freiheitsstrafe von zumindest drei Monaten. Ohne weiteres könnte man sogar noch weiter gehen – der Rechtswissenschaftler Daniel Heinke kommt in seiner Dissertation zu dem Schluss: „Wer tritt, weiß, dass er töten kann„. Entsprechend titelt auch die FAZ: „Wer gegen den Kopf tritt, will töten“ (freilich aber in anderem Zusammenhang). Die Staatsanwaltschaft hat also den Verdacht auf Körperverletzung im Amt – warum nicht auf versuchten Totschlag? Ich hätte eine Idee, warum. Aber ich will nicht noch zynischer werden.

Bleibt nur zu hoffen dass die Anklage am Ende auf die mehr als angemessene gefährliche Körperverletzung lauten wird. Aber daran brauchen wir, im Vertrauen auf unseren Rechtsstaat, auch keinen Zweifel haben. Warum auch, richtig? Richtig…?

Besinnliches zu Weihnachten: das Debakel der BayernLB einschätzen lernen

•25. Dezember 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Auf der Lehrstuhl-Weihnachtsfeier am vergangenen Mittwoch ließ uns Prof. Dr. Vollrath, der ehemalige, emeritierte Inhaber des Lehrstuhls für Mathematikdidaktik, an einem interessanten Gedanken teilhaben. Wie wir alle wissen hat die BayernLB mal eben 3,7 Milliarden an Steuergeldern in der österreichischen Tochter Hypo Alpe Adria versenkt, als diese von Österreich verstaatlicht wurde. 3,7 Milliarden – wie viel ist das schon? Wenn wir mal bedenken was die Finanzkrise uns schon gekostet hat, da fällt das ja kaum ins Gewicht…

VW Golf

VW Golf - 222.222 von ihnen sind verschwunden

Schauen wir doch einmal aus einem anderen Blickwinkel darauf. Für 3,7 Milliarden Euro bekommen wir (wenn die Kollegen in Wolfsburg so richtig fleißig sind) 222.222 VW Golf à 16.650 € in der Grundausstattung. Klingt schon etwas mehr, aber setzen wir noch einen drauf: Stellen wir alle diese VW Golf aneinander, Stoßstange an Stoßstange, so reichte die Schlange mit über 823 km Länge von Wolfsburg bis nach Wien! Ruft euch dieses Bild einmal in den Kopf.

Und jetzt stellt euch vor, dass alle diese Golfs plötzlich und unerwartet alle von einigen Herren in Anzug in die Luft gejagt würden, so wie auch die 3,7 Milliarden bei der Verstaatlichung der HAA in Rauch aufgegangen sind. Während Ersteres sicherlich für einige Empörung über die Vernichtung dieses immensen Wertes sorgen würde (was könnte man mit 222.222 Golfs alles machen!), so sorgt die Versenkung der 3,7 Milliarden in Österreich allenfalls für Schulterzucken und Kopfschütteln – inklusive der obligatorischen großzügigen Abfindung für die, die Pleite zu verantworten haben.

Der Grund dafür ist, dass wir kein Gespür für derartig große Zahlen haben. Durch die Umrechnung in Werte, die wir uns zumindest annähernd vorstellen können (hier in VW Golfs), lässt sich das Ausmaß eines solchen Desasters greifbarer machen. Ob die bisher gezogenen Konsequenzen dann ausreichend sind, kann ja jeder für sich selbst entscheiden.

Audimax-Besetzung: Offenheit als Schwachstelle

•14. November 2009 • 3 Kommentare
Der besetzte Audimax, von mir verwackelt aufgenommen am Donnerstag bei der Podiumsdiskussion

Der besetzte Audimax, von mir verwackelt aufgenommen am Donnerstag bei der Podiumsdiskussion

Würzburger Studierende haben den Hörsaal 216 („Audimax“) in der neuen Uni am Sanderring besetzt, und das ist auch gut so. So weit, so bekannt. Dafür erhalten sie von vielen Seiten Unterstützung, z.B. von Gewerkschaften, Studierendenvertretungen, Parteien oder dem Café Klug, welches am gestrigen Freitag Abend eine Runde Pizza für die Besetzerinnen und Besetzer spendierte.

Es regt sich jedoch auch Widerstand, v.a. unter BWL’ern und Juristen, welche ihre Vorlesungen besuchen wollen – schließlich haben sie dafür bezahlt. So lange das nur in wüsten Beschimpfungen in den Kommentaren des Besetzer-Blogs geschieht, könnte das den Besetzern und ihren Sympathisanten egal sein, auch wenn bei Aussagen wie „Haut ab ihr zacker für montag is schon der kammerjäger bestellt“ mulmig werden kann – auch Neonazis bezeichnen ihre linken Gegenspieler gerne mal als „Zecken“ oder „Ungeziefer“.

Problematisch könnte den Besetzerinnen und Besetzern jedoch ihr streng basisdemokratisches Konzept werden, welches sie in allen ihren Entscheidungen anwenden, unter anderem auch zur Dauer und Aufrechterhaltung der Besetzung selbst. Weil das Plenum offen ist, könnten nun auch diejenigen Entscheidungen herbeiführen, welche die Protestaktion besser heute als morgen beendet sehen würden, allen voran ihr politischer Arm, der RCDS (der offenbar keine Würzburger Webseite mehr hat, wie schade). Weil eben jene auch gerne mal in Verbindungen, Corps und Burschenschaften stramm organisiert sind, wäre es ihnen ein Leichtes, die Besetzung zu beenden. Bei über 30 Studentenverbindungen reichten jeweils drei oder vier Mitglieder locker aus, um das Ende der Hörsaalbesetzung zu erreichen. Ein ähnliches Manöver hatte der RCDS bereits vor zwei Jahren gefahren, als er zeitweise den „AK Hochschulpolitik“ des Sprecher- und Sprecherinnenrates unter seine Kontrolle brachte und mit formalem Nonsense (wie dem stundenlangen Erfinden von Posten und deren Vergabe) zumindest kurzzeitig zur Arbeitsunfähigkeit verdammte.

Glücklicherweise haben die Jungs mit den lustigen Bändchen das bisher noch nicht bemerkt. Wer jedoch sicher gehen will dass diese auch im unwahrscheinlichen Fall der Mobilisierung nicht die Kontrolle über das Audimax erhalten, sollte dafür sorgen, dass sich so viele Menschen wie möglich so lange wie möglich im Hörsaal aufhalten. Nur so kann eine Übernahme verhindert werden.

Langsame Webseiten bei (K)Ubuntu 9.10 Karmic Koala

•1. November 2009 • 3 Kommentare

Firefox macht dem Koala Probleme (Bild von Corey Leopold via flickr)

Nach der Installation von Kubuntu 9.10 „Karmic Koala“ hatte ich (und was für mein Nervenkostüm noch viel schlimmer war: meine Freundin) ein Problem beim Aufruf von Webseiten. Wann immer ich eine neue Seite aufrief, gönnte sich Firefox eine kurze Denkpause von 1-5 Sekunden, nur um dann ungerührt die Webseite zu laden. Und bei diesem Problem sind wir nicht die Einzigen, wie sich bei einem Blick ins Forum von Ubuntuusers zeigt..

Weil kleine, nervende Fehler wie dieser einem jede Freude am neuen Betriebssystem verderben können hier die schnelle Auflösung: es liegt nicht (direkt) an (K)Ubuntu 9.10, sondern am Firefox 3.5.4. Mein erster Tipp war, wie auch im obigen Thread, auf ein Problem mit den DNS-Einstellungen. Damit lag ich auch schon ziemlich nahe an der Lösung, doktorte aber an der völlig falschen Baustelle, nämlich in den DNS-Server-Einstellungen des NetworkManager herum.

Stattdessen machte dem armen Koala jedoch ein einige Tausend Kilometer entfernt lebendes Tier zu schaffen: der Kleine Panda, unsereins besser bekannt als Firefox. In der in Karmic verwendeten Version 3.5.4 ist nämlich die Namensauflösung per IPv6 nicht deaktiviert, was offenbar schon ausreicht, dass sich der Browser beim Laden vom Webseiten verschlucken kann. Warum nicht alle Firefox-Nutzer unter diesem Problem leiden kann ich nicht sagen, unter den Klagenden auf Ubuntuusers waren jedoch recht viele Alice-Kunden (so wie ich). Ob es da einen Zusammenhang gibt ist jedoch Spekulation.

In der Konfiguration

In der Konfiguration

Stattdessen sollten wir das Problem vielleicht beheben, oder? Also: „about:config“ in die Adressleiste eingeben. Den Warnhinweis mit einem Versprechen wegklicken und in der erscheinenden Auflistung im Filter oben ipv6″ angeben (vgl. Bild). Anschließend einen Doppelklick auf den Wert „false“ des Einstellungsnamens „network.dns.disableIPv6″, um diesen auf „true“ zu stellen.

Nach dieser kleinen Prozedur läuft unser Firefox nun wie er sollte. Würde mich freuen über Kommentare von Leuten, bei denen es ebenfalls geklappt hat (und auch über Korrekturen von denen, bei denen die Hinweise nicht geholfen haben!). Mein Dank geht an den Nutzer nomoreblondes, welcher in diesem Thread bei Ubuntuusers auf die Lösung hingewiesen hat.

Jakob der Lügner im Gaza Zoo

•28. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar
Ein "Zebra" im Zoo von Gaza

Ein "Zebra" im Zoo von Gaza

Gestern Abend habe ich bei den heute-Nachrichten auf ZDF eine rührende kleine Geschichte gesehen und gehört. Nachdem die meisten Tiere im Gaza-Krieg getötet wurden, ließen sich die Tierpfleger des Gaza Zoos etwas einfallen, um den Kindern von Gaza eine Freude zu bereiten (und sicher auch etwas Geld für sich und den Zoo zusammenzukriegen). Sie malten schwarze Streifen auf weiße Esel – fertig waren die Zebras als neue Attraktion des ansonsten von internationaler Unterstützung abgeschnittenen Zoos.

Als ich die Geschichte hörte fiel mir sofort das Zitat von Denis Gaultier ein:

„Die Phantasie ist unsere einzige Waffe im Krieg gegen die Wirklichkeit.“

Wenn die Wirklichkeit so trost- und aussichtslos ist wie es für die Menschen in Gaza sein muss, wird eine Lüge zur einzigen Möglichkeit, ihr zu entfliehen – oder zumindest den Kindern eine andere, intaktere Welt vorzugaukeln. Bei dem Gedanken erkannte ich eine Parallele zu einer weltbekannten, ebenfalls zutiefst berührenden Geschichte: die von Jakob, dem Lügner. In dieser gegen Ende des zweiten Weltkriegs spielenden Erzählung behauptet der Jude und Ghettobewohner Jakob Heym, er habe ein Radio, mit dem er Nachrichten über die zur Befreiung des Ghettos anrückenden Rotarmisten empfangen könne. Obwohl jede der Nachrichten gelogen ist, gibt er den Bewohnern mit jeder Meldung mehr Hoffnung und Lebenswillen zurück, entgegen jeder Wirklichkeit.

Genau das, was die Mitarbeiter des Zoos von Gaza heute versuchen. Nur dass Israel in den Geschichten die Seiten gewechselt hat.

Eine großartige Darstellung des Verlustes der Unschuld Israels vor 27 Jahren findet sich in der Zeichentrick-Dokumentation „Waltz with Bashir“ welches auch als äußerst lesenswertes Comic erschienen ist. In diesem wird das Massaker von Sabra und Schatila beleuchtet.

Vielleicht gibt es in ein paar Jahren ja einen Film über die Gräueltaten im Gaza-Krieg von Hamas und israelischer Armee. Ist ja nicht so dass irgendwer etwas aus der Geschichte gelernt hätte.

Endlich: Ich verstehe die FDP.

•23. September 2009 • Hinterlasse einen Kommentar
Arbeit muss sich lohnen

Und das geht nur ohne Mindestlohn?

Endlich habe ich es geschafft: Ich verstehe die FDP. Wochenlang habe ich mich gefragt, welche Art von Doppeldenk man beherrschen muss, um „Arbeit muss sich wieder lohnen!“ in einem Atemzug mit „Keine Mindestlöhne!“ sagen zu können, ohne auch nur rot zu werden.

Aber das ist vorbei. Jetzt verstehe ich die FDP.

Die ganze Zeit habe ich mich gefragt, wie sich nur ohne Mindestlöhne Arbeit wieder lohnen kann. Jetzt weiß ich: Ich habe immer nur die falsche Frage gestellt. Die Frage ist nicht wie sie sich wieder lohnen kann, sondern für wen.

Viel besser.

So ist's viel verständlicher.

Daher war ich so frei und habe ihr Plakat ein bisschen angepasst, damit alle verstehen können, um was es der FDP geht. Arbeit muss sich wieder lohnen für die ganzen Leistungsträger, die sie wählen. Nur deswegen will die FDP doch diese ganzen unsinnigen Sozialabgaben zusammenstreichen, damit sich Arbeit wieder lohnt! Für unsere Besitzer Arbeitgeber, versteht sich.

Burschenschafter sind die Zukunft der NPD

•22. September 2009 • Hinterlasse einen Kommentar
Holger Apfel, Vorsitzender der Sachsen-NPD (Quelle NPD-Blog.info)

Holger Apfel, Vorsitzender der Sachsen-NPD (Quelle NPD-Blog.info)

Die NPD in Sachsen hat bei der Landtagswahl am 30. August einen Erfolg verbuchen können, obwohl sich die Zahl derer, die für die Rechtsextremisten stimmten, fast halbiert hat. Erstmals konnte sie sich in einem Landtag halten, wenn auch nur mit 5,4% Stimmanteilen gegenüber 9,2% vor fünf Jahren.

Wieso dies trotzdem ein Erfolg für die Braunen ist, möchte ich kurz darstellen. Die NPD ist eine Partei mit riesigen Problemen. Nicht nur ist sie wegen rassistischer und antidemokratischer Aussagen stets latent von einem Parteienverbot bedroht. Sie ist in sich auch völlig zerstritten, und das sowohl auf persönlicher Ebene (was sich nicht nur in der Farce um die Vorstandswahl am Sonderparteitag dieses Jahr gezeigt hat) als auch programmatisch, wo sich nationalkonservative Biedermänner und Unterstützer der „Autonomen Nationalisten“ erbitterte Kämpfe leisten.

In Sachsen besteht der einzige Landesverband, der eine gewissen Kontinuität in die Reihen der Rechtsextremisten zu bringen in der Lage ist. Die Steuermillionen, welche ihnen das ansonsten verhasste System zu diesem Zwecke überweist, kommen ihnen da gerade recht, besonders wenn man die desolate finanzielle Lage der Bundes-NPD bedenkt.

Für die NPD hat der Wiedereinzug in den Landtag und der damit einhergehende Fraktionsstatus eine weitere, für ihre Zukunft äußerst bedeutsame Konsequenz. Um eine Zukunft zu haben, braucht eine Partei Vordenker. Diese entwickeln die Partei und entwerfen die Positionen und Parolen, welche künftig die Partei zum Erfolg bringen sollen und sind für diese unersetzlich.

Burschenschafter als rechte Vordenker

Die Deutsche Burschenschaft - harmlos?

Die Deutsche Burschenschaft - harmlos?

Wer soll das sein? In einer Partei, in der die meisten Anhänger einen „IQ im Bereich meiner Schuhgröße“ haben (NPD-Aussteiger Uwe Luthardt auf Spiegel.de), ist das nicht einfach zu beantworten. Abhilfe könnten hier rechtsradikale Akademiker schaffen – und die findet man am einfachsten in Burschenschaften. So ist es nicht verwunderlich, dass in der sächsischen NPD-Landtagsfraktion sogar gleich zwei Mitglieder der Deutschen Burschenschaft wiederfinden. Mit Hilfe der Fraktionsmitarbeiter, welche der NPD per Gesetz durch ihren Einzug in den Landtag zustehen, können nun interessierte Burschenschafter nachgeholt werden – die FPÖ macht’s in Österreich vor.

Die NPD bietet sich als Arbeitgeber für rechtsradikale Akademiker an, und dafür ist Stabilität von höchster Wichtigkeit. Sie hofft auch „weit über Sachsen hinaus auf eine Sogwirkung im rechtsgerichteten Studenten- und Verbindungsmilieu und eine steigende Attraktivität der Partei für Akademiker“ und umwirbt aktiv völkische „Stiftungen“ für Vertriebene, den Erhalt deutschen Brauchtums, wie sie auch immer wieder in der Zeitschrift der Deutschen Burschenschaft, den „Burschenschaftlichen Blättern“, lobend erwähnt werden oder die auch bei Burschenschaften für ihre „Freiheitlichkeit“ geschätzte und vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte „Gesellschaft für Freie Publizistik“.

Kombiniert man dieses Werben mit einer Zusammenarbeit bei Vorträgen und Veranstaltungen, auch indem z.b. Räumlichkeiten überlassen werden, ergibt sich ein deutliches Bild: die NPD hat erkannt, dass sie ihre Arbeit intellektuell unterfüttern muss, um in Zukunft erfolgreich Stimmen zu fangen. Rechtsradikale Akademiker, wie sie in der Deutschen Burschenschaft leicht zu finden sind, können dies leisten. Die Wechselwirkungen sind abzusehen, sollten die für die NPD arbeitenden „Alten Herren“ Jüngere aus ihrer Burschenschaft zu einem noch radikaleren, noch fremdenfeindlicheren und völkischeren Kurs beeinflussen können. Und davon ist auszugehen – schließlich bezahlen sie die Rechnungen.

„Politische Charttechnik“ – Wahlen vorhersagen wie Börsenkurse?

•13. September 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Heute habe ich einen Artikel auf FAZ.net gelesen, welchen ich nicht unkommentiert lassen wollte. Es geht hierbei um den Versuch, die Ergebnisse der kommenden Bundestagswahl mit den Mitteln der „Technischen Analyse“ oder „Chartanalyse“ vorherzusagen, einer Methode zur Voraussage von Börsenkursen. Diese ist nicht nur innerhalb der Wirtschaftswissenschaften umstritten. Obschon sie bereits etwa 125 Jahre alt ist, ist es noch nicht erwiesen, dass sich Börsenkurse tatsächlich auf diese Weise vorhersagen lassen, und auch Wettkämpfe wie „Börsenmakler vs. Affe“ tragen nicht zur Vertrauensbildung bei.

Verlauf der CDU-Umfragen

Verlauf der CDU/CSU-Umfragen

Nun soll diese Technik also auf Umfrage-“Kurse“ angewandt werden, und wer nicht lange darüber nachdenkt mag der Aussage des Artikels und den bunten Bildern glauben schenken, dass Grüne verlieren und Schwarz/Gelb gewinnt während der SPD „ein Drama bevorsteht“. Die Vorhersagen selbst sind also medialer Mainstream, keine neuen Behauptungen Erkenntnisse hier – nicht der erste Chartanalyst, der mit den Wölfen heult.

Die Aussagekraft besagter Bilder ist für mich jedoch ohnehin eher gering, aber das mag an meiner Ungeübtheit in „Technischer Analyse“ liegen. Trotzdem möge man mir verzeihen, wenn ich im Diagramm (Verzeihung: chart) rechts keinen Aufwärtstrend der CDU/CSU erkennen kann. Das merkt Autor Wieland Staud auch selbst, wenn er schreibt:

„Ein Wahlergebnis unter 35 Prozent ist [für CDU/CSU] unwahrscheinlich. Analytisch unbefriedigend ist allerdings, dass ein solcher Chart im Regelfall Schwung nach oben aufzunehmen pflegt. Aber genau darauf deuten die in der nun zu Ende gehenden Woche veröffentlichten Zahlen der anderen Institute nicht hin.“

Seinen Glaube an die ursprüngliche These, dass sich Wahlergebnisse ebenso vorhersagen lassen wie Aktienkurse (nicht), scheint das unberührt zu lassen.

Vielleicht ist der Wunsch der Vater des Gedanken? Ein Wirtschaftswissenschaftler, der das selbsternannte „bürgerliche“ Lager besser schreibt als es ist? In diesem Zusammenhang hilft vielleicht die Kritik an der Chartanalyse weiter sie produziere „selbsterfüllende Prophezeiungen„. Denn, wie Staud selbst bemerkt: „Ebenso wie Finanzmarktcharts werden auch „Parteiencharts“ von Menschen gemacht.“ Vor allem die Interpretation.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

 
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