Audimax-Besetzung: Offenheit als Schwachstelle

•14. November 2009 • 3 Kommentare
Der besetzte Audimax, von mir verwackelt aufgenommen am Donnerstag bei der Podiumsdiskussion

Der besetzte Audimax, von mir verwackelt aufgenommen am Donnerstag bei der Podiumsdiskussion

Würzburger Studierende haben den Hörsaal 216 („Audimax“) in der neuen Uni am Sanderring besetzt, und das ist auch gut so. So weit, so bekannt. Dafür erhalten sie von vielen Seiten Unterstützung, z.B. von Gewerkschaften, Studierendenvertretungen, Parteien oder dem Café Klug, welches am gestrigen Freitag Abend eine Runde Pizza für die Besetzerinnen und Besetzer spendierte.

Es regt sich jedoch auch Widerstand, v.a. unter BWL’ern und Juristen, welche ihre Vorlesungen besuchen wollen – schließlich haben sie dafür bezahlt. So lange das nur in wüsten Beschimpfungen in den Kommentaren des Besetzer-Blogs geschieht, könnte das den Besetzern und ihren Sympathisanten egal sein, auch wenn bei Aussagen wie „Haut ab ihr zacker für montag is schon der kammerjäger bestellt“ mulmig werden kann – auch Neonazis bezeichnen ihre linken Gegenspieler gerne mal als „Zecken“ oder „Ungeziefer“.

Problematisch könnte den Besetzerinnen und Besetzern jedoch ihr streng basisdemokratisches Konzept werden, welches sie in allen ihren Entscheidungen anwenden, unter anderem auch zur Dauer und Aufrechterhaltung der Besetzung selbst. Weil das Plenum offen ist, könnten nun auch diejenigen Entscheidungen herbeiführen, welche die Protestaktion besser heute als morgen beendet sehen würden, allen voran ihr politischer Arm, der RCDS (der offenbar keine Würzburger Webseite mehr hat, wie schade). Weil eben jene auch gerne mal in Verbindungen, Corps und Burschenschaften stramm organisiert sind, wäre es ihnen ein Leichtes, die Besetzung zu beenden. Bei über 30 Studentenverbindungen reichten jeweils drei oder vier Mitglieder locker aus, um das Ende der Hörsaalbesetzung zu erreichen. Ein ähnliches Manöver hatte der RCDS bereits vor zwei Jahren gefahren, als er zeitweise den „AK Hochschulpolitik“ des Sprecher- und Sprecherinnenrates unter seine Kontrolle brachte und mit formalem Nonsense (wie dem stundenlangen Erfinden von Posten und deren Vergabe) zumindest kurzzeitig zur Arbeitsunfähigkeit verdammte.

Glücklicherweise haben die Jungs mit den lustigen Bändchen das bisher noch nicht bemerkt. Wer jedoch sicher gehen will dass diese auch im unwahrscheinlichen Fall der Mobilisierung nicht die Kontrolle über das Audimax erhalten, sollte dafür sorgen, dass sich so viele Menschen wie möglich so lange wie möglich im Hörsaal aufhalten. Nur so kann eine Übernahme verhindert werden.

Langsame Webseiten bei (K)Ubuntu 9.10 Karmic Koala

•1. November 2009 • 2 Kommentare

Firefox macht dem Koala Probleme (Bild von Corey Leopold via flickr)

Nach der Installation von Kubuntu 9.10 „Karmic Koala“ hatte ich (und was für mein Nervenkostüm noch viel schlimmer war: meine Freundin) ein Problem beim Aufruf von Webseiten. Wann immer ich eine neue Seite aufrief, gönnte sich Firefox eine kurze Denkpause von 1-5 Sekunden, nur um dann ungerührt die Webseite zu laden. Und bei diesem Problem sind wir nicht die Einzigen, wie sich bei einem Blick ins Forum von Ubuntuusers zeigt..

Weil kleine, nervende Fehler wie dieser einem jede Freude am neuen Betriebssystem verderben können hier die schnelle Auflösung: es liegt nicht (direkt) an (K)Ubuntu 9.10, sondern am Firefox 3.5.4. Mein erster Tipp war, wie auch im obigen Thread, auf ein Problem mit den DNS-Einstellungen. Damit lag ich auch schon ziemlich nahe an der Lösung, doktorte aber an der völlig falschen Baustelle, nämlich in den DNS-Server-Einstellungen des NetworkManager herum.

Stattdessen machte dem armen Koala jedoch ein einige Tausend Kilometer entfernt lebendes Tier zu schaffen: der Kleine Panda, unsereins besser bekannt als Firefox. In der in Karmic verwendeten Version 3.5.4 ist nämlich die Namensauflösung per IPv6 nicht deaktiviert, was offenbar schon ausreicht, dass sich der Browser beim Laden vom Webseiten verschlucken kann. Warum nicht alle Firefox-Nutzer unter diesem Problem leiden kann ich nicht sagen, unter den Klagenden auf Ubuntuusers waren jedoch recht viele Alice-Kunden (so wie ich). Ob es da einen Zusammenhang gibt ist jedoch Spekulation.

In der Konfiguration

In der Konfiguration

Stattdessen sollten wir das Problem vielleicht beheben, oder? Also: „about:config“ in die Adressleiste eingeben. Den Warnhinweis mit einem Versprechen wegklicken und in der erscheinenden Auflistung im Filter oben ipv6″ angeben (vgl. Bild). Anschließend einen Doppelklick auf den Wert „false“ des Einstellungsnamens „network.dns.disableIPv6″, um diesen auf „true“ zu stellen.

Nach dieser kleinen Prozedur läuft unser Firefox nun wie er sollte. Würde mich freuen über Kommentare von Leuten, bei denen es ebenfalls geklappt hat (und auch über Korrekturen von denen, bei denen die Hinweise nicht geholfen haben!). Mein Dank geht an den Nutzer nomoreblondes, welcher in diesem Thread bei Ubuntuusers auf die Lösung hingewiesen hat.

Jakob der Lügner im Gaza Zoo

•28. Oktober 2009 • Kommentar schreiben
Ein "Zebra" im Zoo von Gaza

Ein "Zebra" im Zoo von Gaza

Gestern Abend habe ich bei den heute-Nachrichten auf ZDF eine rührende kleine Geschichte gesehen und gehört. Nachdem die meisten Tiere im Gaza-Krieg getötet wurden, ließen sich die Tierpfleger des Gaza Zoos etwas einfallen, um den Kindern von Gaza eine Freude zu bereiten (und sicher auch etwas Geld für sich und den Zoo zusammenzukriegen). Sie malten schwarze Streifen auf weiße Esel – fertig waren die Zebras als neue Attraktion des ansonsten von internationaler Unterstützung abgeschnittenen Zoos.

Als ich die Geschichte hörte fiel mir sofort das Zitat von Denis Gaultier ein:

„Die Phantasie ist unsere einzige Waffe im Krieg gegen die Wirklichkeit.“

Wenn die Wirklichkeit so trost- und aussichtslos ist wie es für die Menschen in Gaza sein muss, wird eine Lüge zur einzigen Möglichkeit, ihr zu entfliehen – oder zumindest den Kindern eine andere, intaktere Welt vorzugaukeln. Bei dem Gedanken erkannte ich eine Parallele zu einer weltbekannten, ebenfalls zutiefst berührenden Geschichte: die von Jakob, dem Lügner. In dieser gegen Ende des zweiten Weltkriegs spielenden Erzählung behauptet der Jude und Ghettobewohner Jakob Heym, er habe ein Radio, mit dem er Nachrichten über die zur Befreiung des Ghettos anrückenden Rotarmisten empfangen könne. Obwohl jede der Nachrichten gelogen ist, gibt er den Bewohnern mit jeder Meldung mehr Hoffnung und Lebenswillen zurück, entgegen jeder Wirklichkeit.

Genau das, was die Mitarbeiter des Zoos von Gaza heute versuchen. Nur dass Israel in den Geschichten die Seiten gewechselt hat.

Eine großartige Darstellung des Verlustes der Unschuld Israels vor 27 Jahren findet sich in der Zeichentrick-Dokumentation „Waltz with Bashir“ welches auch als äußerst lesenswertes Comic erschienen ist. In diesem wird das Massaker von Sabra und Schatila beleuchtet.

Vielleicht gibt es in ein paar Jahren ja einen Film über die Gräueltaten im Gaza-Krieg von Hamas und israelischer Armee. Ist ja nicht so dass irgendwer etwas aus der Geschichte gelernt hätte.

Endlich: Ich verstehe die FDP.

•23. September 2009 • Kommentar schreiben
Arbeit muss sich lohnen

Und das geht nur ohne Mindestlohn?

Endlich habe ich es geschafft: Ich verstehe die FDP. Wochenlang habe ich mich gefragt, welche Art von Doppeldenk man beherrschen muss, um „Arbeit muss sich wieder lohnen!“ in einem Atemzug mit „Keine Mindestlöhne!“ sagen zu können, ohne auch nur rot zu werden.

Aber das ist vorbei. Jetzt verstehe ich die FDP.

Die ganze Zeit habe ich mich gefragt, wie sich nur ohne Mindestlöhne Arbeit wieder lohnen kann. Jetzt weiß ich: Ich habe immer nur die falsche Frage gestellt. Die Frage ist nicht wie sie sich wieder lohnen kann, sondern für wen.

Viel besser.

So ist's viel verständlicher.

Daher war ich so frei und habe ihr Plakat ein bisschen angepasst, damit alle verstehen können, um was es der FDP geht. Arbeit muss sich wieder lohnen für die ganzen Leistungsträger, die sie wählen. Nur deswegen will die FDP doch diese ganzen unsinnigen Sozialabgaben zusammenstreichen, damit sich Arbeit wieder lohnt! Für unsere Besitzer Arbeitgeber, versteht sich.

Burschenschafter sind die Zukunft der NPD

•22. September 2009 • Kommentar schreiben
Holger Apfel, Vorsitzender der Sachsen-NPD (Quelle NPD-Blog.info)

Holger Apfel, Vorsitzender der Sachsen-NPD (Quelle NPD-Blog.info)

Die NPD in Sachsen hat bei der Landtagswahl am 30. August einen Erfolg verbuchen können, obwohl sich die Zahl derer, die für die Rechtsextremisten stimmten, fast halbiert hat. Erstmals konnte sie sich in einem Landtag halten, wenn auch nur mit 5,4% Stimmanteilen gegenüber 9,2% vor fünf Jahren.

Wieso dies trotzdem ein Erfolg für die Braunen ist, möchte ich kurz darstellen. Die NPD ist eine Partei mit riesigen Problemen. Nicht nur ist sie wegen rassistischer und antidemokratischer Aussagen stets latent von einem Parteienverbot bedroht. Sie ist in sich auch völlig zerstritten, und das sowohl auf persönlicher Ebene (was sich nicht nur in der Farce um die Vorstandswahl am Sonderparteitag dieses Jahr gezeigt hat) als auch programmatisch, wo sich nationalkonservative Biedermänner und Unterstützer der „Autonomen Nationalisten“ erbitterte Kämpfe leisten.

In Sachsen besteht der einzige Landesverband, der eine gewissen Kontinuität in die Reihen der Rechtsextremisten zu bringen in der Lage ist. Die Steuermillionen, welche ihnen das ansonsten verhasste System zu diesem Zwecke überweist, kommen ihnen da gerade recht, besonders wenn man die desolate finanzielle Lage der Bundes-NPD bedenkt.

Für die NPD hat der Wiedereinzug in den Landtag und der damit einhergehende Fraktionsstatus eine weitere, für ihre Zukunft äußerst bedeutsame Konsequenz. Um eine Zukunft zu haben, braucht eine Partei Vordenker. Diese entwickeln die Partei und entwerfen die Positionen und Parolen, welche künftig die Partei zum Erfolg bringen sollen und sind für diese unersetzlich.

Burschenschafter als rechte Vordenker

Die Deutsche Burschenschaft - harmlos?

Die Deutsche Burschenschaft - harmlos?

Wer soll das sein? In einer Partei, in der die meisten Anhänger einen „IQ im Bereich meiner Schuhgröße“ haben (NPD-Aussteiger Uwe Luthardt auf Spiegel.de), ist das nicht einfach zu beantworten. Abhilfe könnten hier rechtsradikale Akademiker schaffen – und die findet man am einfachsten in Burschenschaften. So ist es nicht verwunderlich, dass in der sächsischen NPD-Landtagsfraktion sogar gleich zwei Mitglieder der Deutschen Burschenschaft wiederfinden. Mit Hilfe der Fraktionsmitarbeiter, welche der NPD per Gesetz durch ihren Einzug in den Landtag zustehen, können nun interessierte Burschenschafter nachgeholt werden – die FPÖ macht’s in Österreich vor.

Die NPD bietet sich als Arbeitgeber für rechtsradikale Akademiker an, und dafür ist Stabilität von höchster Wichtigkeit. Sie hofft auch „weit über Sachsen hinaus auf eine Sogwirkung im rechtsgerichteten Studenten- und Verbindungsmilieu und eine steigende Attraktivität der Partei für Akademiker“ und umwirbt aktiv völkische „Stiftungen“ für Vertriebene, den Erhalt deutschen Brauchtums, wie sie auch immer wieder in der Zeitschrift der Deutschen Burschenschaft, den „Burschenschaftlichen Blättern“, lobend erwähnt werden oder die auch bei Burschenschaften für ihre „Freiheitlichkeit“ geschätzte und vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte „Gesellschaft für Freie Publizistik“.

Kombiniert man dieses Werben mit einer Zusammenarbeit bei Vorträgen und Veranstaltungen, auch indem z.b. Räumlichkeiten überlassen werden, ergibt sich ein deutliches Bild: die NPD hat erkannt, dass sie ihre Arbeit intellektuell unterfüttern muss, um in Zukunft erfolgreich Stimmen zu fangen. Rechtsradikale Akademiker, wie sie in der Deutschen Burschenschaft leicht zu finden sind, können dies leisten. Die Wechselwirkungen sind abzusehen, sollten die für die NPD arbeitenden „Alten Herren“ Jüngere aus ihrer Burschenschaft zu einem noch radikaleren, noch fremdenfeindlicheren und völkischeren Kurs beeinflussen können. Und davon ist auszugehen – schließlich bezahlen sie die Rechnungen.

„Politische Charttechnik“ – Wahlen vorhersagen wie Börsenkurse?

•13. September 2009 • Kommentar schreiben

Heute habe ich einen Artikel auf FAZ.net gelesen, welchen ich nicht unkommentiert lassen wollte. Es geht hierbei um den Versuch, die Ergebnisse der kommenden Bundestagswahl mit den Mitteln der „Technischen Analyse“ oder „Chartanalyse“ vorherzusagen, einer Methode zur Voraussage von Börsenkursen. Diese ist nicht nur innerhalb der Wirtschaftswissenschaften umstritten. Obschon sie bereits etwa 125 Jahre alt ist, ist es noch nicht erwiesen, dass sich Börsenkurse tatsächlich auf diese Weise vorhersagen lassen, und auch Wettkämpfe wie „Börsenmakler vs. Affe“ tragen nicht zur Vertrauensbildung bei.

Verlauf der CDU-Umfragen

Verlauf der CDU/CSU-Umfragen

Nun soll diese Technik also auf Umfrage-“Kurse“ angewandt werden, und wer nicht lange darüber nachdenkt mag der Aussage des Artikels und den bunten Bildern glauben schenken, dass Grüne verlieren und Schwarz/Gelb gewinnt während der SPD „ein Drama bevorsteht“. Die Vorhersagen selbst sind also medialer Mainstream, keine neuen Behauptungen Erkenntnisse hier – nicht der erste Chartanalyst, der mit den Wölfen heult.

Die Aussagekraft besagter Bilder ist für mich jedoch ohnehin eher gering, aber das mag an meiner Ungeübtheit in „Technischer Analyse“ liegen. Trotzdem möge man mir verzeihen, wenn ich im Diagramm (Verzeihung: chart) rechts keinen Aufwärtstrend der CDU/CSU erkennen kann. Das merkt Autor Wieland Staud auch selbst, wenn er schreibt:

„Ein Wahlergebnis unter 35 Prozent ist [für CDU/CSU] unwahrscheinlich. Analytisch unbefriedigend ist allerdings, dass ein solcher Chart im Regelfall Schwung nach oben aufzunehmen pflegt. Aber genau darauf deuten die in der nun zu Ende gehenden Woche veröffentlichten Zahlen der anderen Institute nicht hin.“

Seinen Glaube an die ursprüngliche These, dass sich Wahlergebnisse ebenso vorhersagen lassen wie Aktienkurse (nicht), scheint das unberührt zu lassen.

Vielleicht ist der Wunsch der Vater des Gedanken? Ein Wirtschaftswissenschaftler, der das selbsternannte „bürgerliche“ Lager besser schreibt als es ist? In diesem Zusammenhang hilft vielleicht die Kritik an der Chartanalyse weiter sie produziere „selbsterfüllende Prophezeiungen„. Denn, wie Staud selbst bemerkt: „Ebenso wie Finanzmarktcharts werden auch „Parteiencharts“ von Menschen gemacht.“ Vor allem die Interpretation.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Iron, Firefox, Konqueror und Opera – Browserperformance im Vergleich

•17. August 2009 • Kommentar schreiben

Ich mag es, ab und zu neue Software auszuprobieren, auch wenn ich bereits die gefühlte „optimale“ Lösung gefunden habe. Nicht nur KDE4 habe ich auf diese Weise entdeckt. Als ich auf Twitter kürzlich vom Release der 3. Alpha von Iron für Linux las, dem um die zahlreichen Überwachungsfunktionen abgespeckten Google-Browser Chrome, wollte ich das gute Stück natürlich gleich ausprobieren.

Während das Design nicht unbedingt meinen Geschmack traf, war ich von der Schnelligkeit der Webseitendarstellung und des zügigen Programmstarts sofort begeistert, und selbst wer einen Wechsel niemals in Betracht ziehen würde, sollte sich allein aus diesem Grund einmal an die Installation des leichtgewichtigen Alternativen wagen.

Zum Spaß habe ich dann einmal meine diversen Browser in einem Browser-Benchmark mit dem schönen Namen „Peacekeeper“ getestet. Das Ergebnis ist so eindeutig wie beeindruckend, die Zahlen sind die gerundeten durchschnittlichen Punktzahlen bei drei aufeinanderfolgenden Durchläufen, rechts eine illustrierende Grafik:

Browservergleich - Iron frisst den Rest zum Frühstück

Browservergleich - Iron frisst den Rest zum Frühstück

  1. Iron (2980)
  2. Firefox 3.5 alpha (1464)
  3. Konqueror (1262)
  4. Firefox 3.0.13 (985)
  5. Opera (914)

Die gefühlte Dominanz in Bezug auf die Performance lässt sich also klar belegen, mehr als doppelt so viele Punkte als der neue Firefox 3.5 sind eine echte Hausnummer. Die Tests wurden auf meinem Thinkpad R61 unter Ubuntu Jaunty 9.04 durchgeführt. Da ich kein Windows besitze habe ich den Internet Explorer nicht getestet, aber wer benutzt den schon…

Fazit

Aw, snap! Fehler in Chrome

Aw, snap! Fehler in Chrome

Wir fassen zusammen. Der klare Sieger ist: Firefox. Äh wie bitte was? Nein, ich bin zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels nicht betrunken gewesen. Auch wenn Iron die restlichen Browser zum Frühstück verputzt, ist er für mich noch keine echte Alternative zum Firefox. Das liegt zum Einen an noch nicht ausgemerzten Fehlern, welche Bildschirme wie den links produzieren (hey, es ist eine Alpha, also keine Panik!). Zum Anderen ist der Firefox mit der unglaublichen Zahl von extrem nützlichen Plugins einfach unschlagbar schnell und komfortabel zu bedienen. Was würde ich heute zum Beispiel nur ohne meine geliebten Mausgesten machen? Kaum auszudenken…

Und dennoch! Iron ist nicht nur eine Alternative für die, die schnelle Startzeiten und rasanten Seitenaufbau als ausschlaggebend ansehen. Denn wer weiß? Vielleicht ist es ja nur eine Frage der Zeit, dass nützliche Plugins à la Firefox auch für Iron wie die Pilze aus dem Boden schießen. Hoffen wir, dass Mozilla mit weiterer großartiger Arbeit den Konkurrenzkampf aufnimmt – denn der Weg bis zur Befreiung der vielen IE-Nutzer hat gerade erst begonnen.

Die Piratenpartei – das Komplement zur FDP?

•12. August 2009 • 1 Kommentar
Logo der FDP

Logo der FDP

Logo der Piratenpartei

Logo der Piratenpartei

Ein Paukenschlag wie die Gründung der Linkspartei war das Auftauchen der Piratenpartei sicher nicht,  zumindest wenn Umfragen und Wahlerfolge als Maßstab angelegt werden. Im Netz jedoch ist ihr Fußabdruck um ein Vielfaches tiefer, was nicht nur ins Absurde getriebene Umfrage wie die von Xing belegen. Auf den ersten Blick scheint dies belanglos, gewinnt jedoch dann an Bedeutung, wenn man die Alterstruktur der netzaffinen Wählerinnen und Wähler betrachtet: Gerade die Jungen, also die, die sich von den etablierten Parteien in zunehmendem Maße abwenden, fühlen sich im Netz zuhause – und von den Politikanfängern mit dem lustigen Namen vertreten. Kein Wunder, dass andere Parteien gegensteuern mussten, was zu Stilblüten wie den „Piraten in der SPD“ führte. Ein schönes Beispiel übrigens, wie man mit übereilten Aktionen die politische Konkurrenz sogar stärken kann.

Dabei sind die Piraten einer Partei ideologisch und programmatisch am nächsten, von der sie es möglicherweise kaum erwarten würden: der FDP. Die beiden haben bedeutende Deckungsflächen, welche aus ihrem liberalen Bild des Bürgers resultieren. Dieses liegt zwar allen heutigen (demokratischen) Parteien zu Grunde, der Fokus auf den Abbau des Staates, der Stärkung der Eigenverantwortung von Bürgerinnen und Bürgern und der Rechtfertigungspflicht des Staates ihnen gegenüber sind aber, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, bei FDP und Piratenpartei besonders ausgeprägt und werden am stärksten in Öffentlichkeit und Presse kommuniziert. Sie misstrauen dem Staat, fordern „das Recht in Ruhe gelassen zu werden“ (Piraten), wollen dass dieser sich aus der Wirtschaft heraushält (FDP), versuchen den Überwachungsstaat zurückzudrängen (beide)  und setzen sich für die Wiederherstellung vermeintlich verlorener Bürgerrechte ein (ebenfalls beide).

Wozu Piraten, wenn’s die FDP gibt?

Guido Westerwelle, Voristzender der FDP (Quelle: Flickr, von Liberale unter CC-BY-NC-ND)

Guido Westerwelle, Vorsitzender der FDP (Quelle: Flickr, von "Liberale" unter CC-BY-NC-ND)

Wozu also die Piraten, wo es doch schon seit über 160 Jahren in Deutschland liberale Parteien gibt und diese auch heute noch in Form der FDP eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen? Nicht nur die Jungen Liberalen (JuLis) fragen sich dies in ihrem kürzlich öffentlich gewordenen „Arguliner„. Um dies zu beantworten, müssen wir die Unterschiede zwischen Piraten und Liberalen betrachten.

Die FDP hat sich in den letzten Jahren stark auf die Etablierung bzw. die Verteidigung eines möglichst weitgehenden Wirtschaftsliberalismus beschränkt und versucht das Marktprinzip in alle Bereiche (Schulen, Gesundheitssystem, Unis, Behörden) zu übertragen. Die heute in vielen Bereichen kritisierte Deregulierung war und ist die lauteste und beständigste Forderung von Westerwelle und Kollegen. Die Verteidigung der Bürgerrechte stand zwar stets auf ihren Fahnen, in letzter Zeit war aber weniger Protest gegen Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren oder Überwachungsstaat zu hören als vielmehr das Lamentieren über das Rauchverbot und der damit vermeintlich einhergehenden Einführung des Sozialismus. Die FDP ist die Partei der Marktwirtschaft, für viel mehr bleibt da offenbar kein Platz. Ich würde die FDP daher als „besitzende Liberale“ charakterisieren.

Knackpunkt geistiges Eigentum

Auf der anderen Seite also die Piratenpartei, zwar auch liberal in ihrem Bürgerbild und ihrem kritischen Verhältnis zum Staat, sicherlich aber nicht den „Besitzenden“ zuzuordnen (das ergibt sich schon aus dem Namen), sondern typischerweise jung, häufig noch in der Schule, der Ausbildung, der Uni oder seit kurzem verdienend und damit ohne größeren persönlichen Besitzstand. Nur konsequent also, dass sich genau hier die Bruchstellen der hypothetischen FDP-Piraten-Koalition aufzeigen. In dem JuLi-Papier mit der fürchterlichen, pseudoenglischen Bezeichnung ist u.a. nachzulesen:

„Die Jungen Liberalen sprechen sich klar für den Schutz geistigen Eigentums auch im digitalen Bereich aus.“

Die Piraten dagegen „lehnen Patente auf Software und Geschäftsideen ab“ und fordern das Recht für „Privatleute ohne kommerzielle Interessen (…), Werke frei verwenden und kopieren zu dürfen„. Kaum verwunderlich, dass die FDP in zum Teil geradezu hysterischem Tonfall kontert und Pläne wie die Kulturflatrate als den „Einstieg in der Kultursozialismus“ geißelt. Das Schwingen der Sozialismus-Keule in zahlreichen Pressemitteilungen der FDP zeigt auf jeden Fall, dass sie die Gefahr durchaus erkannt haben, durch ihre politisch eigentlich gar nicht so weit entfernten Konkurrenten mit den Augenklappen überflügelt zu werden. Das Verhältnis zur Wirtschaft, den Unternehmen und der inhärenten FDP-Vorstellung vom ausschließlich aus Unternehmern und Kunden bestehenden Staat lässt sich daher insbesondere im Umgang mit geistigem Eigentum als der wesentliche Unterschied zwischen Piraten und FDP bezeichnen. Im Gegensatz zu den Piraten nehmen die Liberalen dabei den Gegner bereits ins Visier.

Ein Blick in die Glaskugel

Jens Seipenbusch, Vorsitzender der Piratenpartei (Quelle: Flickr, von Nutzer gedankenstuecke unter CC-BY-NC-SA)

Jens Seipenbusch, Vorsitzender der Piratenpartei (Quelle: Flickr, von "gedankenstuecke" unter CC-BY-NC-SA)

Wir sehen: sollte sich in der deutschen Parteienlandschaft nicht bald etwas bewegen, ist die Piratenpartei auch weiter notwendig und wird sich zusehends etablieren, sofern sie größere politische Fehlern wie der Tolerierung von Extremisten in den eigenen Reihen vermeiden kann. Die JuLi-Strategie, die Piraten einfach totzuschweigen, könnte für diese Bundestagswahl noch aufgehen. Das Medieninteresse an den „Neuen“ ist aber groß genug – wenn diese ihre Chancen nutzen und es gleichzeitig schaffen, im Hintergrund eine inhaltliche Ausarbeitung ihrer Positionen zu verwirklichen, haben sie eine politische Zukunft.

Die Piraten sind dabei nicht unbedingt ein Gegensatz zur FDP, sondern deren Komplement, weshalb die Parteiprogramme der beiden sich nun ergänzen und zumindest teilweise überdecken. Die Konzentration der Liberalen auf die Wirtschaftspolitik und ihre Klientel, den „freiheitsliebenden Besitzenden“, hat die Piraten schließlich erst nötig gemacht.

Sie nämlich sind die „freiheitsliebenden Besitzlosen“ – naja, Piraten halt.

Sensation: Nachweislicher Nazi in Studentenverbindung entdeckt!

•11. August 2009 • 2 Kommentare
Andreas Molau

Andreas Molau

Zufällig habe ich im Blog „Rechte Jugendbünde“ entdeckt, dass es doch tatsächlich mindestens einen Nazi in einer Korporation gibt! Der Sensationsfund in den sonst so weltoffenen, bunten und gar nicht rechtsradikalen Vereinen heißt Andreas Molau, war bis vor kurzem Mitglied der NPD (wollte sich sogar zu deren Vorsitz wählen lassen), mittlerweile Pressesprecher der auch nicht viel besseren Deutschen Volksunion (DVU), ist Mitglied der Deutschen Hochschulgilde Trutzburg-Jena zu Göttingen (ja, die heißt wirklich so) und ließ in einem Interview mit der Deutschen Stimme verlauten:

„Nach der Bundeswehr traf ich während meines Studiums im korporativen Bereich viele Gleichgesinnte, und wir hatten schöne Jahre im roten Göttingen, wo wir mit öffentlichen Veranstaltungen und Flugblattaktionen politisch arbeiteten. (…) Begeistert von den Ideen einer Kulturrevolution von Rechts, wollten wir nationales Lebensgefühl suchen und befördern.“

Wie bitte? Viele Gleichgesinnte? Das heißt doch sogar dass es noch mehr Nazi-Korporierte gibt! Dabei distanzieren die sich doch sonst so ausdrücklich von neonazistischem Gedankengut bekennen die sich doch sogar zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, wenn das mal kein Ausdruck eines pluralistischen und weltoffenen Denkens ist! Und dabei sind die Jungs von den Studentenverbindungen immer so sicher, dass es bei ihnen keine Nazis gibt. Sicher ist die Deutsche Hochschulgilde Trutzburg-Jena zu Göttingen nur eine von diesen ominösen Verbänden, auf die dann verwiesen wird mit dem üblichen „Bei uns doch nicht, woanders vielleicht, aber bei uns nicht.“

Welche Überraschung wird uns wohl als nächstes erwarten? Konservative Katholiken in der CSU? Kommunisten in der Linkspartei? Mann, was für eine spannende Zeit in der wir leben.

Sascha Lobo, eine Verteidigung

•4. August 2009 • 1 Kommentar
Sascha Lobo™ (Quelle: Matthias Bauer, unter CC-BY-SA)

Sascha Lobo™ (Quelle: Matthias Bauer, unter CC-BY-SA)

Seit seiner Beteiligung an der Kampagne „Es ist deine Zeit“ von Vodafone (oder gerne auch Vodafail) wurde schon eine Menge Kritisches, Böses und Hämisches über Sascha Lobo geschrieben. Selbst bin ich ein wenig spät dran mit meinem Kommentar, aber ich finde es ist Zeit, ihn zu verteidigen. Die Kritik ist nämlich nicht berechtigt.

Sascha Lobo schreibt, wie so viele von uns, einen Blog. Diese kleinen Einrichtungen sind eine wunderbare Möglichkeit, Gedanken festzuhalten, zu publizieren und über die Kommentare zu kommunizieren. Es ist eine Form des Gedankenaustausches, und deren Gestaltungsoptionen sind mannigfaltig: manche schreiben über das, was sie den Tag über so erlebt haben und über was sie sich Gedanken gemacht haben. Andere schreiben Anleitungen oder Tests zu Themen, die gerade Web-affine Benutzer interessieren. Wiederum andere nutzen die Möglichkeiten des Microbloggings, um schnell und einfach Medien wie Bilder oder Videos auszutauschen. Zu guter Letzt gibt es noch einige, die durch Artikel über politische Themen zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen und in Wechselwirkung zu den angebrachten Kommentaren auch die eigene Meinung herausbilden oder verfeinern. Diese Aufzählung ist alles andere als vollständig, aber allen Blogs ist gemein, dass sie ein oder sogar mehrere Themen haben, etwas, das sich als roter Faden durch die Artikel zieht. In jedem Fall ist ein Blog eine Kommunikation, ein Gedankenaustausch zwischen den Akteuren Leser und Autor.

Kein Blog wie jeder andere…

In diesem Sinne ist Sascha Lobos Blog anders. Es ist kein Gedankenaustausch, kein Dialog zwischen den Akteuren. Vielmehr charakterisiert ihn der Stil der Verlautbarung, dem Bekanntgeben von – ja, was denn eigentlich? Auch hier unterscheidet sich Lobos Blog von den oben beschriebenen. Einen roten Faden in den Themen gibt es nicht direkt, vielmehr ist die einzige Konstante der Autor selbst. Das ist aber nur konsequent, denn das Subjekt Autor macht sich in dem Blog zugleich zum Objekt der Berichterstattung. Dabei geht es in Lobos „Blog“ nicht um etwas, eigentlich nicht einmal um jemanden, sondern nur darum dass jemand etwas sagt. Anders gesagt: statt Austausch über ein oder mehrere Themen handelt es sich um Verlautbarungen des Autors darüber, dass er etwas sagt.

… sondern gar keiner

Natürlich hat der Blog deswegen trotzdem einen Sinn, nur eben einen anderen als unsere Blogs. Statt eigene Gedanken den Lesern mitzuteilen und in neuer Form per Kommentar wieder aufzunehmen, verfolgt der Verlautbarungsblog ein Einbahnstraßenziel, nämlich der Festsetzung des Inhalts, in den Köpfe der Leser, also der Tatsache, dass der Autor irgendetwas sagt. Nicht einmal der Inhalt der Bekanntgabe soll in den Köpfen der Leser präsent sein, die Tatsache dass Lobo etwas sagt, genügt.  Insofern ist es nur konsequent, wenn sich Lobo mit einem anderen Verlautbarungsblog wie dem von Vodafone identifizieren kann. Auch in diesem geht es nur um die Festsetzung der Marke in den Köpfen, genau wie bei seinem Blog. Bei beiden verfolgen die Verlautbarungen allein das Ziel, Präsenz zur Schau zu stellen und Relevanz zu suggerieren.

Wir fassen zusammen: Sascha Lobos Blog als solchen zu bezeichnen, ist irreführend. Ebenso wäre es daher unpassend, ihn als Blogger zu bezeichnen.  Die zahlreiche Kritik folgt einfach daraus, dass wir, von unseren Blogs ausgehend, die falschen Maßstäbe an ihn setzen, Maßstäbe, denen er und seine Verlautbarungswebseite nicht gerecht werden können. Es ist Zeit zu erkennen: Sascha Lobo™ ist keiner von uns, er hat keinen Blog, ist also auch kein Blogger, weshalb die Kritik an ihm ins Leere läuft. Wir sollten ihn ab sofort in Ruhe lassen. Alles andere wäre einfach unfair.